Freizeit- und Wassersportverein 
Uphuser Meer e.V.

2018 05 19 Uph Meer EZ

Von Idylle sprechen die Menschen, wenn beispielsweise Ruhe, Erholung, eine tolle Landschaft oder auch nur die eigene Terrasse dazu einladen, vom Alltag ein bisschen abzuschalten. In einer immer schneller werdenden Welt sind diese Ruhe-Oasen wichtiger denn je. Das haben sich sicherlich auch die Meerbuden-Besitzer gedacht, die am Uphuser Meer eine Kolonie gründeten. Obwohl zu deren Zeit die Welt vielleicht nicht ganz so hektisch war, sondern eher der Geldbeutel nicht für einen Urlaub in der Türkei, auf Mauritius oder Tahiti reichte. Warum also in der Ferne schweifen, wenn direkt vor den Toren der Seehafenstadt Emden eine solche Idylle lag.

 

Es war 1968, da gründete sich am Uphuser Meer eine Interessengemeinschaft (IG). Ziel dieser IG war es, sowohl die Geselligkeit unter den Meerbuden-Besitzern und Wassersportler zu pflegen als auch den Erhalt des Binnenmeeres mit seiner Tier- und Pflanzenwelt zu fördern. Schon früh hatten manche Bewohner Emdens erkannt, welchen Erholungswert das Binnenmeer direkt vor der eigenen Haustür darstellte. Sie bauten einfache Holzhütten, die sogenannten Meerbuden, ohne irgendeinen Luxus, ausgestattet teilweise nur mit dem Nötigsten. Wichtig war den Budenbauern nicht das Drumherum, wichtig waren das Abschalten, die Ruhe, kleine Ferien vom Alltag.

 

Eine erste Belastungsprobe erhielt die noch junge Gemeinschaft allerdings dann Anfang der 70er-Jahre. Es war eine Überschlickung der Hieve und des Uphuser Meeres geplant, die Wochenendhausbesitzer erhielten eine Abbruchverfügung. Nach zähem Kampf der IG-Mitglieder mit vielen Unterstützern, nicht nur aus der Wassersport-Szene, wurden die Pläne fallen gelassen, der Erholungswert des Binnenmeeres anerkannt. Und es ging stetig weiter. Ein Bebauungsplan, schon länger in der Planung, wurde fertiggestellt (1983), Strom-, Gas- und Trinkwasserleitungen wurden gelegt. Telefonleitungen, Müllcontainer und schließlich abflusslose Sammelgruben ergänzten die Erschließung. Es kehrte ein klein wenig Luxus in die einfachen Holzhütten der Meerfahrer ein, aber nur ein klein wenig.

 

Doch das Uphuser Meer war nicht nur für die Bootjefahrer, Schwimmer und Budenbesitzer interessant. Das ehemals flache Gewässer hatte auch für den Autobahnanschluss Emdens Bedeutung. Unter anderem wurde im Uphuser Meer der dringend benötigte Sand für den Bau der A 31 gefördert. Die Sandentnahme veränderte aber auch das Meer an sich: Es hatte ursprünglich eine Tiefe zwischen 0,9 und 1,2 Meter. Durch den Sandabbau misst heute die tiefste Stelle 26 Meter. Wie erklärt es der ehemalige WSU-Vorsitzende Uwe Kinast: Das Meer sehe im Querschnitt etwa wie eine Sanduhr aus. Nach dem Ausbaggern gab es vermehrt Segel- und Surfregatten, vorher war das kleine Revier am Uphuser Meer kaum Austragungsort von Wettsegelveranstaltungen.

 

Und auch die IG veränderte sich mit der Zeit und passte sich den Gegebenheiten der Meer-Fahrer an. Nachdem als Vereinsgrundstück ein Gelände, für das schon ein „Fremd-Bewerber“ aus Münster Interesse gezeigt hatte, im Jahre 1990 gekauft wurde, gründete sich eine Wassersportabteilung innerhalb der Interessengemeinschaft. Und diese Abteilung hatte vordergründig das Segeln im Blickpunkt. Also mussten ein Vereinsschuppen, ein Steg und mit der Zeit eine Slipanlage her. Mit viel Eigenleistung stemmten die Mitglieder diese Bauvorhaben. Und der kontinuierliche Auf- und Ausbau der Segeljollen-Flotte folgten. Schließlich wurde die Wassersportabteilung Mitglied im Deutschen und Niedersächsischen Seglerverband sowie im Stadtsportbund Emden.

 

Viel Arbeit richtet der Verein, der sich 1996 den Namen Freizeit- und Wassersportverein Uphuser Meer (WSU) gab, auf die Jugendarbeit. Seit nunmehr 20 Jahren besteht unter anderem eine Segel-AG mit dem Max-Windmüller-Gymnasium (damals Gymnasium am Treckfahrtstief). Einer der Antriebsfedern dieser Zusammenarbeit war und ist Kinast. Als mittlerweile pensionierter Lehrer des Gymnasiums trieb er die Zusammenarbeit voran und hat nach seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst auch, wie er selbst sagt, am Gymnasium gute Nachfolger gefunden. Weitere Schulen kooperieren mit dem Verein vom Uphuser Meer. Das zahlt sich nach Bekunden der WSU-Verantwortlichen immer mehr aus. Schließlich haben sich die Freizeitaktivitäten der Kinder und Jugendlichen in den vergangenen Jahren immer mehr gewandelt.

 

Auch in die Infrastruktur auf dem Vereinsgelände und in die Bootsflotte wurde über die Jahren immer wieder investiert. Nur dem Bau eines massiven Vereinsheims erteilten die Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung im Jahr 2002 mehrheitlich eine Absage. Trotzdem wurde in den Bootssteg und in der Errichtung eines Bootsschuppens investiert. Das alles ist nur zu erreichen, wenn viele Mitglieder sich ehrenamtlich engagieren und der Verein über eine gesunde Kasse verfügt. Beim WSU ist diesbezüglich alles im Lot, wenn er auch nicht auf großen Füßen steht. Mit Stolz sagen die Vereinsverantwortlichen, dass trotz des umfangreichen Angebotes der Mitgliedsbeitrag seit nunmehr 15 Jahren unverändert bei 20 Euro im Jahr liegt.

 

Und auch das sportliche Angebot haben die Vereinsmitglieder immer weiterentwickelt. Neben vielen anderen Höhepunkten ist einer in jedem Jahr dabei, der unter dem Motto „Alles, was schwimmt, aufs Wasser“ ausgetragen wird. Und dann ist da ja auch noch die sogenannte „Aalregatta“. Unter anderem gibt es bei dieser Regatta am Samstag nach den Wettfahrten ein gemütliches Beisammensein mit reichlich Räucheraal, daher auch der Regatta-Name, und dem einen oder anderen Kaltgetränk. Das böse „Erwachen“ kommt vielleicht für die Segler dann am Sonntag, wenn die letzte Wettfahrt ansteht, die eine doppelte Punktzahl einbringt und nicht gestrichen werden kann. Dennoch ist die Aalregatta beliebt. Wie sagt Segler Friedrich Müller, egal, wo auch immer die Meerfahrer unterwegs seien, „zum Saisonende heißt es immer wieder WSU, Aalregatta, Uphuser Meer“ - der Start dort ist fast schon so etwas wie eine Pflicht.

 

Und auch die sich verändernden Interessen der Kinder und Jugendlichen sowie das unterschiedliche Angebot in den Wassersportvereinen haben die dortigen Verantwortlichen, nicht nur beim Freizeit- und Wassersportverein Uphuser Meer, dazu veranlasst, über den „Tellerrand“ hinauszuschauen. Seit 2017 gibt es eine Kooperationsvereinbarung unter fünf Wassersportvereinen, um den Kindern und Jugendlichen eine qualitativ gute und kontinuierliche Ausbildung im Segelsport zu bieten. Die Kooperation macht sich bereits bezahlt, so der Tenor am Uphuser Meer.

 

Es muss nicht immer die weite Welt sein, um entspannt den Urlaub zu begehen. Manchmal ist Erholung gar nicht so weit entfernt. Da braucht es nur ein paar Kilometer, um einen Ort der Ruhe zu finden. Für die Meerbuden-Besitzer am Uphuser Meer gilt das auch mit Blick auf die Silhouette Emdens. Die Idylle dieses Binnenmeeres zu bewahren, ist ein Ziel des Vereins. Erholung genießen in einer ruhigen Umgebung ist nicht die schlechteste Voraussetzung, um die Ziele auch nach nunmehr 50 Jahren des Bestehens weiterhin zu verfolgen und zu erreichen.

 


Emder Zeitung vom Samstag, 19. Mai 2018 S. 54

Emder Zeitung vom Samstag, 19. Mai 2018 S. 55

 


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